Falk Wege – Präzision im Mittelspannungsuniversum

Als Elektromonteur bei der Tief- und Rohrleitungsbau Wilhelm Wähler GmbH & Co. KG löst Falk Wege in dem Themenspektrum Probleme, wo selbst der beste Heimwerker lieber doch den Fachmann ruft: Strom. Als Meister seines Fachs wird er dann zur Stelle gerufen, wenn es zu knallen droht bei Notfällen im Mittelspannungsbereich. Wie gefährlich es ist, mit 20.000 Volt zu hantieren, hat er uns während eines Baustelleneinsatzes erzählt.

VON ANNA-LENA GRÖH 

Als Elektromonteur bei der Tief- und Rohrleitungsbau Wilhelm Wähler GmbH & Co. KG ist Falk Wege bestens mit der Trafostation bekannt

Als Elektromonteur bei der Tief- und Rohrleitungsbau Wilhelm Wähler GmbH & Co. KG ist Falk Wege bestens mit der Trafostation bekannt – Foto: Bernd Otten

 

Im Büro läuft ein Teamscall, zwei Kollegen besprechen im Hintergrund ein Bauprojekt, irgendwo klackern Tasten. Kurze Wege, kurze Rückfragen, geschäftiges Treiben – und mittendrin Falk Wege. Zurückhaltend im Auftreten, ruhig in der Art, präsent im Moment. Ein dunkelblau kariertes Holzfällerhemd, Vollbart und Lachfalten, die seine immer freundlichen grau-blauen Augen umrahmen. Und dieser norddeutsche Ton, der selbst dann aufgeweckt bleibt, wenn es eigentlich um ernste Dinge geht. Und das Thema, das er jeden Tag bearbeitet, koordiniert und in Notfallsituationen schnell regelt, könnte aufregender nicht sein: Strom ist der Beruf des Elektromonteurs.

 

10 Jahre Wähler – vom Lehrling zum Elektromeister

Falk ist 27 und seit zehn Jahren bei Wähler. 2015 begann er als Industrieelektriker in der Ausbildung, heute ist er Meister seines Handwerks. Als Kind war der Traumberuf noch nicht in Stein gemeißelt: Hauptsache handwerklich. Schrauberei, Maschinentechnik, etwas, das man anfassen kann. Der Impuls zur Elektrotechnik kam von zuhause: „Meine Mutti sagte, mach mal Elektro – ich glaub, das würde dir liegen.“ Falk schaute nach Berufen, fand „Industrieelektriker“, das klang nach etwas Größerem. Steuerungstechnik reizte ihn erst nicht – aber im Vorstellungsgespräch bei Wähler fiel der Satz, der hängen blieb: dicke Kabel, was Handfestes, nicht nur verdrahten, sondern was bewegen in der Erde. „Da haben die mich erst richtig dafür geimpft“, sagt Falk. Und seitdem ist Wähler aus seiner Welt nicht wegzudenken, und umgekehrt genauso.

20.000 Volt

Offiziell Elektromonteur, eingesetzt als Elektromeister. „Ich tummel‘ mich seitdem in dem Universum hier so rum“, fasst er sein Arbeitsfeld zusammen, das von Gebäudeinstallation bis Mittelspannung reicht. Mittlerweile ist er hauptsächlich an seinem Schreibtisch zu finden. Angebote, Rechnungen, Regieberichte – und dann ab und zu wieder Baustelle, wenn’s knifflig wird. Genau wie heute in Cuxhaven. Dort sollen in einer Wohngebietsstraße ein Stromkabel durchtrennt werden. Er öffnet die nahegelegene Verteilerstation, die 20.000 Volt koordiniert. „Diese Spannung schafft 20 Zentimeter an Funkenstrecke“, erklärt er. „Das heißt, wenn man auf 20 Zentimeter dicht dran kommt, dann wird man automatisch zum Brathähnchen“, fasst er sehr bildlich zusammen, während er die einzelnen Komponenten samt Stecker und Isolierkörper erklärt.

Falk arbeitet mal alleine, mal mit zehn Leuten, je nach Baustelle und Gewerken. Und wenn es mal auf Rädern auf der Fahrbahn geht, dann ist er vorne mit dabei. Im Firmenwagen mag er zwar nur mit „mit 90 aggressiven Turbo-km/h“ auf der Straße unterwegs sein – mehr ist bei fünf Tonnen eben nicht drin.

Dafür tauscht er im privaten Kontext zwei Räder gegen mehr PS ein. In seiner Freizeit fährt Falk Harley. Shovelhead, Baujahr 1980, 1340 Kubik, Kickstarter. Er mag es, seine Maschine auf der Landstraße einfach rollen zu lassen. „Wälder riechen, das Ganze erleben, Vibrationen fühlen und Klang hören.“ Autobahn? „Überhaupt gar nicht“, widerspricht er kopfschüttelnd. Am 24. Dezember fährt er – wenn das Wetter gut ist – traditionell einmal den Feldweg hoch und runter, natürlich im Weihnachtspullover, der nach der Aktion völlig eingesaut ist, Falk lacht dabei so, dass man weiß: Genau das ist der Punkt.

Arbeitsalltag: Spektrum statt Schema F

In der Freizeit lässt er rollen, im Beruf hat er die Dinge im Griff. „Ich bin so der kleine Problemlöser“, sagt Falk. Einer, der dazu kommt, wenn andere sagen: Wir kommen nicht weiter. Vor Ort in Cuxhaven besteht die Lösung heute auch aus Vertagen, weil die entscheidenden Kabel von Fremdleitungen überlagert sind. Dieser Sachverhalt kann heute nicht gelöst werden. Auch solche Entscheidungen müssen in seiner Welt getroffen werden. „Es gibt ein Spektrum an typischen Alltagen“, sagt Falk. Baustelle heißt: Schalthandlung, Abschaltung, Anlage auseinander, wieder zusammen – anschließen, verdrahten, prüfen, in Betrieb nehmen. Ziemlich routiniert also. Im Büro verhält es sich die meiste Zeit genauso: Angebote, Abrechnungen und sonstige Unterlagen sichten und prüfen. Dazwischen schieben sich Wartungen, manchmal auch am Wochenende – Trafostationen prüfen, warten, reinigen.

 

Falk spricht über seine Messgeräte wie über seine Kollegen: gute Freunde, mit denen man gerne zusammenarbeitet und die man respektiert: Sein Lieblingsgerät ist der Stoßwellengenerator. Er beschreibt ihn so, dass man unwillkürlich schluckt: Ein Kondensator entlädt sich in Millisekunden mit mehreren tausend Ampere ins Kabel. „Man kennt ja den Funken vom Feuerzeug“, erklärt Falk. „Und das ist Pi mal Daumen zweitausendfach stärker.“ Es knallt in der Erde. Ein Bodenschallmikrofon hört mit. So lässt sich ein Fehler einmessen. Spannend wird seine Arbeit vor allem dann wenn die Routine dem Notfall weicht. Das sind dann die Einsätze, bei denen man merkt, warum sein Job keine halben Sachen kennt: Fehlersuche im Mittelspannungsbereich.

Strom verhandelt nicht

10.000 bis 16.000 Volt und im Netz selbst 20.000 Volt. Falk lässt seinen Beruf klingen, als wäre es ein Kinderspiel, obwohl es das auf keinen Fall ist. Mit solchen Spannungen ist nicht zu spaßen. Im Mittelspannungsbereich ist saubere Verarbeitung nicht „nice to have“, sondern zwingend. Staubeinschlüsse, Fussel – das verändert elektrische Felder. „Dann würde das irgendwann durchschlagen“, sagt Falk, „und das Ding würde auseinanderfliegen, um das mal salopp zu sagen.“ Wichtig im Umgang mit Elektrik ist deshalb vor allem eine Eigenschaft, die er seit Tag eins mitbringt: Liebe zum Detail. Er wird dabei nicht dramatisch. Eher klar. „Strom ist Brandgefahrquelle Nummer eins, oft wegen nicht fachgerechter Arbeit“, erklärt er. Die häufigste Gefahr? „Sich überschätzen. Zwei Drähte zusammenknoten und am Ende brennt die Bude.“ Eine gute Portion technisches Verständnis und ein Sinn für Logik und Mathematik schaden auch nicht.

Nach zehn Jahren im Beruf ist der anfänglichen Angst längst ein gesunder Respekt gewichen, der ihn auch künftig begleiten wird. Ob er bis zur Rente im Beruf bleibt? „Ich bleib dabei.“ Der Satz kommt schnell und ohne Pathos. Einen ausformulierten Karriereplan hat er nicht, sondern ein Grundvertrauen in den Prozess: Jeden Tag ein bisschen besser. Und vielleicht ist das Falks eigentliche Stärke: Dass er in einem Job, in dem unsichtbare Kräfte wirken, sichtbar ruhig bleibt – mit Fachwissen im Ton, Teamgeist im Verhalten und einem Spruch auf den Lippen, der den Alltag leichter macht, ohne die Verantwortung zu vergessen.